Alfen

Zwischen den Ladesäulenanbietern Alfen und Compleo habe ich mich vor Kurzem für Alfen entschieden. Compleo hat aktuell zwar die höheren Wachstumsraten, das liegt jedoch daran, dass Alfen mit den 3 Bereichen intelligente Stromnetze, Energiespeicher und Ladestationen deutlich breiter aufgestellt ist. Der Bereich Ladestationen wächst bei Alfen genauso schnell (100%).

Was die Gewinnmargen betrifft, kommt die breitere Aufstellung Alfen zugute, da die Ladestationen sehr wettbewerbsintensiv und dementsprechend niedrigmargig sind.

Die niedrigen Margen machen bei Compleo häufige Kapitalerhöhungen nötig, die ich bei Alfen in dieser Zahl nicht erwarte. Alfen kann das Wachstum eher aus eigener Kraft stemmen.

In Summe sehe ich Alfen als den solideren und risikoärmeren Wert an. Vor allem aufgrund der m.E. stärkeren Wettbewerbsposition erreicht Alfen einen höheren LionFolio Enterprise Score von dennoch mittelmäßigen 3,3 (von max. 5,0). Dadurch erklärt sich auch die recht kleine Position.

Dass der Score nicht höher ist, liegt vor allem am – trotz des deutlichen Kursrückgangs – immer noch stolzen Preis: Ein EV / Sales von 5 ist für ein Hardware-Unternehmen mit einer Bruttomarge von 37% nur durch das starke Umsatzwachstum von durchweg über 30% in den letzten Jahren zu rechtfertigen.

4 Kommentare zu „Alfen“

  1. Im Q2 2021 hat das Wachstum wieder deutlich an Fahrt aufgenommen: nach +22% im Q1 nun +33% im Q2.
    Wachstumstreiber waren wieder die Ladesäulen und die Energiespeicher, so dass sich die Anteile dieser beiden Segmente im 1. Halbjahr auf 36% bzw. 10% erhöhten und damit in Summe fast zum Stammgeschäft der (intelligenten) Stromnetze (übrige 54%) aufgeschlossen haben.

    Die Bruttomarge ist stabil bei 36,4% geblieben, die Adjusted EBITDA-Marge hat sich auf 16% verbessert (nach 12% im Vorjahr).

    Alfen profitiert in allen Segmenten massiv vom European Green Deal. Um das Wachstum weiter zu fördern, legt Alfen zudem einen besonderen Fokus auf die internationale Expansion. Stand heute werden 60% der Umsätze außerhalb der Niederlande erwirtschaftet.
    Darüber hinaus soll das Service-Geschäft ausgeweitet werden, was eine Verstetigung der Umsätze bedeuten würde.
    Nicht zuletzt sieht Alfen ein Alleinstellungsmerkmal in seinem breiten Produktangebot, was sowohl Gesamtlösungen „aus 1 Hand“ als auch Cross-Selling zwischen den Segmenten ermöglicht.

    Der Ausblick für das aktuelle Geschäftsjahr wurde bei +19 bis +32% Wachstum bestätigt.

    In Summe bleibt es dabei: Alfen sitzt im wahrsten Sinne des Wortes wie die Spinne im Netz und bietet vieles von dem, was die Elektrifizierung der Wirtschaft und des Verkehrs benötigt. Und das wird dank des European Green Deals auf viele Jahre hinaus stark nachgefragt!

  2. Bereits vor der deutlichen Prognosesenkung des Konkurrenten Compleo am 5.10. hatte ich Alfen deutlich reduziert und halte seitdem weniger als 0,5% im wikifolio. Der Grund ist der hohe Preis in Verbindung mit den sich hinziehenden Lieferkettenproblemen. Die Q3-Zahlen haben diese Einschätzung bestätigt, das Umsatzwachstum hat sich wieder auf 21% verlangsamt. Die guidance für das Gesamtjahr wurde zwar nicht verändert, aber diese bietet ohnehin eine sehr breite Spanne zwischen 19 und 32% Wachstum. Nach den Q3-Zahlen gehe ich nun davon aus, dass das Wachstum bestenfalls in der Mitte dieser Spanne und damit erstmals seit 4 Jahren unter 30% liegen wird. Mit einem erwarteten EV / Sales von 6,6 und einer zukünftig erwarteten operativen Marge von 20% komme ich auf ein Quasi-KGV von 32. Das ist für ein Hardware-Unternehmen, das nicht beliebig schnell skalieren kann, nicht gerade günstig. Man kann auch einen anderen Vergleich heranziehen: Der Umsatz hat sich in den letzten 2 Jahren um etwa 66% erhöht, der Kurs aber um 500%! Alfen ist also vor allem teurer geworden, obwohl sich die Wachstumsgeschwindigkleit in dieser Zeit nicht verbessert hat (die Profitabilität allerdings schon etwas).
    Mit Elektronik-Hardware wird man es auch kaum schaffen, über einen bestenfalls schmalen Burggraben hinauszukommen. Intelligente Stromnetze, Ladestationen und Energiespeicher sind absolute Trendthemen, bei denen die Konkurrenten immer zahlreicher werden. Als Gesamtanbieter in diesen Bereichen sehe ich Alfen weiterhin im Vorteil, aber Wachstum und Preissetzungsmacht sind im Vergleich zu Software-Unternehmen doch deutlich begrenzt. Daher kann ich bei den aktuellen Kursen keine signifikante Position mehr rechtfertigen, trotz (oder gerade wegen) der vielen Trendthemen, die Alfen bespielt.

  3. Das ist eine sehr gute Analyse. Ich sehe das ähnlich und habe Alfen vor einiger Zeit durch Katek ersetzt. Katek produziert Wallboxen und Ladegeräte für Elektroautos (Zusammenarbeit mit Porsche und Bosch, hochwertige Kleinserien mit vermutlich sehr guter Marge). Es gibt aber auch interessante Anwendungen in anderen Bereichen der Elektronik wie z.B. Wechselrichter und Energiespeicher oder Regelungstechnik für Photovoltaikanlagen und Brennstoffzellensysteme.
    Darüber hinaus ist man in der Medizintechnik tätig.
    LG aus dem Rheinland

    1. Vielen Dank für den Hinweis!
      Katek habe ich mir bisher nicht angesehen, daher ist folgendes lediglich allgemein auf Hersteller von Ladesäulen und ähnlicher Elektronik bezogen (Katek im Speziellen kann da theoretisch anders aussehen).
      Ich sehe bei Anbietern von Hardware / Elektronik in „neuen Märkten“ folgende Grundprobleme:
      1. Modethemen ziehen Konkurrenz an und bedeuten daher einen chronisch steigenden Preisdruck und damit verringerte Gewinnmargen. Allein für die Ladesäulen habe ich folgende (mit Sicherheit unvollständige) Liste von Herstellern: ABB, ABL, Alfen, Chargepoint, Compleo, EVbox, Katek, Mennekes, NewMotion, Schneider, Siemens. Bestimmt kommen Philipps, Samsung und eine Vielzahl an Japanern und Chinesen noch dazu.
      2. Es gibt bei solcher Hardware meistens nur wenige Möglichkeiten, sich abzuheben. Die Grundfunktionalität ist relativ simpel, es handelt sich im Wesentlichen um Bauteile, die seit Jahrzehnten bekannt sind und produziert werden: Trafos, Wechselrichter, Batterien, ein bisschen Logik – das alles kann man grundsätzlich schon zu Hause mit dem Kosmos-Kasten locker nachbauen. Jetzt geht es nur darum, es auf die konkreten Anwendungen wie das möglichst schnelle Laden einer sehr großen Batterie zu optimieren. Dafür gibt es Heerscharen von Elektrotechnikern, für die diese Aufgabe geradezu langweilig sein dürfte. Dazu kommen Standards, die die Möglichkeiten für Alleinstellungsmerkmale weiter einschränken.
      3. Aktien von Modethemen müssten aufgrund der starken Konkurrenz-Situation eigentlich besonders billig sein. Paradoxerweise sind sie aber immer besonders teuer, weil der gemeine Börsianer eben meistens glaubt, mit neuen Themen schnell reich werden zu können. Das gelingt aber nur, wenn man ein Thema erkennt, bevor es Modethema wird, und dann auch früh genug wieder aussteigt, bevor die anderen erkennen, dass sich eine Blase gebildet hat. Das gelingt leider nur Wenigen und nur selten.

      Ich bin daher aktuell in den Themen Ladesäulen, Batterietechnik sowie Solar- und Windkraftanlagen gar nicht mehr investiert. Lediglich in Sachen Projektierung von Windparks habe ich mit ABO Wind und PNE zwei Anbieter im Depot.

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