Profiteure der E-Mobilität

Die Frage, wer die Profiteure der E-Mobilität sind, ist gar nicht so leicht zu beantworten, denn unter dem Strich kann nur jemand von einem Megatrend profitieren, dessen Umsätze positiv von diesem Trend abhängen. Das trifft auf die alteingesessenen Hersteller und Zulieferer schon mal nicht zu, auch wenn sie bald mehr E-Autos verkaufen werden als die neuen, reinen E-Auto-Anbieter. Denn jedes verkaufte E-Auto mehr bedeutet einen Verbrenner weniger. Das ist also bestenfalls ein Nullsummenspiel. Falls die Gewinnmargen bei den E-Autos aufgrund der stärkeren Konkurrenz dann zusätzlich geringer sein sollten als bei Verbrennern, bedeutet ein wachsender Anteil an E-Autos nichts Gutes für diese Hersteller.
Das gilt auch für die etablierten Zulieferer. Infrage kämen nur solche mit einem möglichst hohen Umsatzanteil in der E-Mobilität. Von den 5 weltgrößten Zulieferern (die Nummern 3 und 4, Denso und Magna, habe ich nicht analysiert) scheiden Bosch und ZF von vornherein aus, da sie nicht börsennotiert sind. Continental hat mit den Reifen und Fahrassistenzsystemen Bereiche, die unabhängig von der Antriebstechnologie sind. Darüber hinaus aber auch einen signifikanten Umsatzanteil mit Verbrennern, so dass man Continental in Summe nicht zu den Profiteuren der E-Mobilität zählen kann.

Komponenten der E-Mobilität

Schauen wir uns daher zunächst einmal an, was wir unter E-Mobilität verstehen wollen und welche Komponenten dazu gehören. Im zweiten Schritt können wir dann prüfen, welche Unternehmen maßgeblich von diesen Komponenten profitieren.

Komponenten der E-Mobilität
  1. Beginnen wir als Kernstück mit dem E-Motor. Das Prinzip, mit elektrischem Strom einen Motor anzutreiben, gibt es schon seit spätestens 1834, als Hermann Jacobi den ersten praxistauglichen E-Motor entwickelte. Und was manchen überraschen wird: Der E-Motor war auch der erste Fahrzeugantrieb (Anderson 1839). Der Verbrenner wurde erst später entwickelt (Otto 1860, Diesel 1893) und war dem E-Motor mangels leistungsstarker Batterien dann lange Zeit überlegen.
  2. Ebenfalls als gesetzt kann man die Batterie ansehen, denn jeder E-Motor benötigt eine kurzfristig verfügbare Stromquelle. Auch mit Brennstoffzellen ausgestattete Fahrzeuge benötigen eine (kleine) Batterie.
  3. Der Strom kann nun auf 2 Wegen in die Batterie kommen: Entweder die Batterie wird an einer Ladesäule geladen, oder eine Brennstoffzelle versorgt die Batterie kontinuierlich mit Ladestrom. Aufgrund der hohen Energieverluste sowohl bei der Herstellung von Wasserstoff (Elektrolyse) als auch bei der Rückwandlung in der Brennstoffzelle kann ich mir schwer vorstellen, dass dieser aufwändige und energievergeudende Weg eine nennenswerte Rolle in der E-Mobilität spielen wird. Daher wird die Variante über die Brennstoffzelle im Folgenen hier nicht weiter dargestellt.
  4. Um die angestrebte CO2-neutrale E-Mobilität zu erreichen, muss der dazu verwendete Strom in jedem Fall aus Erneuerbaren Energien gewonnen werden.

Wer profitiert nun?

Schauen wir uns nun anhand obiger Komponenten an, welche Unternehmen in diesen Bereichen tätig sind und ggf. profitieren könnten. Fettgedruckt sind die Unternehmen, in die ich investiert bin.

  1. Am offensichtlichsten sind die reinen E-Auto-Hersteller Profiteure der E-Mobilität, denn diese haben keine Verbrenner-Umsätze zu verlieren, sondern nur E-Auto-Umsätze zu gewinnen. Das sind klassische Wachstumsunternehmen. Leider ist Tesla als einziger westlicher, reiner E-Auto-Hersteller inzwischen derart überteuert, dass sich ein Investment aus meiner Sicht aktuell leider nicht aufdrängt, um es mal vorsichtig auszudrücken. Wer stattdessen in chinesische Startups wie NIO oder BYD investieren möchte, kann das theoretisch tun. Für mich scheiden Unternehmen aus nicht-demokratischen Ländern jedoch schon aus diesem Grund aus.
    Infrage kommt aber der Maschinen- und Fertigungslinien-Hersteller Aumann, der schwerpunktmäßig Maschinen zur Herstellung von E-Motoren entwickelt (ausführliche Analyse hier). Kunde von Aumann ist wiederum Nidec, ein weltweit führender, japanischer Hersteller von E-Motoren, dessen Hauptanwendung bisher Festplatten-Motoren waren. In Zukunft will man sich massiv in den Automotive-Bereich hinein entwickeln. Ich persönlich würde hier jedoch nicht investieren, da der bisherige Brot- und Butter-Bereich Festplatten wohl keine Zukunft hat (sie werden bzw. wurden schon durch Flash-Speicher disrupted, hier ist Pure Storage interessant) und der vermeintliche Zukunftsbereich Automotive sich erst noch beweisen muss. Viele Autohersteller werden ihre E-Motoren wahrscheinlich selbst herstellen, insofern ist alles andere als klar, wieviele Kunden Nidec im Automotive-Bereich überhaupt gewinnen kann.
  2. Bei den Batterien drängen sich als Profiteure der E-Mobilität die Hersteller von Batteriezellen auf. Hierzu zählen die 4 Platzhirsche Samsung SDI und LG Chem (beide Korea), Panasonic (Japan, Partner von Tesla) und CATL (China). Bei diesen muss man jedoch bedenken, dass sie als große Chemie-Konzerne teilweise auch andere Geschäftsbereiche haben, die möglicherweise nicht alle von der E-Mobilität profitieren oder sogar darunter leiden. Dies muss man im Einzelfall prüfen, denn investieren kann man natürlich nur in den Gesamtkonzern.
    Reiner Hersteller von Batteriezellen ist zum einen Samsung SDI, darüber hinaus auch der deutsche Anbieter Varta. Varta produziert bisher zwar noch keine Batterien für die E-Mobilität, möchte sich aber in diesen Bereich hineinentwickeln. Als Weltmarktführer bei Li-Ionen-Microbatterien für kabellose Kopfhörer und Hörgeräte besitzt Varta dafür die besten Voraussetzungen.
    Anbieter von Batterie-Packs sind z.B. Akasol und Voltabox (beide Schwerpunkt Nutzfahrzeuge), BMZ und LION E-Mobility. Diese kaufen Batteriezellen ein und schalten sie zu größeren Einheiten zusammen, wie sie für die E-Mobilität benötigt werden. Damit sind sie zweifelsohne Profiteure der E-Mobilität. Ich halte jedoch von Investments in solche Anbieter aktuell nicht viel, weil sie m.E. keinen Burggraben besitzen und zudem oft schon sehr teuer sind.
  3. In Sachen Ladesäulen sind neben Tesla auch die niederländische Alfen und E.ON aktiv.
    Alfen ist in den angesagten Bereichen der intelligenten Stromnetze tätig: „Mit Umspannstationen, Energiespeichersystemen, Ladestationen für Elektroautos […] ist Alfen der Mittelpunkt und verbindende Faktor im Stromnetz.“ So ist es auf der Alfen-Website zu lesen. Damit ist Alfen ein klarer Profiteur der E-Mobilität. Und leider auch schon sehr teuer: mit einem Forward EV / Sales von 7,3 hat es einen Preis erreicht, den man eigentlich nur ähnlich stark wachsenden Software-Unternehmen mit hohen Gewinnmargen zubilligen würde. Da Alfen aber Hardware produziert und das Wachstum daher viel kostenintensiver ist, halte ich den Preis inzwischen für deutlich zu hoch.
    E.ON ist einer der größten Stromnetzbetreiber Europas und könnte daher ebenfalls von der verstärkten Nutzung des Stromnetzes durch die E-Autos profitieren. Hierbei muss man aber berücksichtigen, dass deutsche Energienetze von der Bundesnetzagentur stark reguliert werden. Das Monopol, das E.ON in diesem Bereich hat, muss man daher als fast wertlos ansehen, denn es führt nicht zu dem von Investoren hochgeschätzten Burggraben, der eine starke Preissetzungsmacht und damit hohe Gewinnmargen verspricht. Die Vergütungen für die Netzbetreiber werden stattdessen von der BNetzA festgelegt. Sie entsprechen im Wesentlichen einer Verzinsung der Investitionen mit weniger als 6%. Insofern kann man E.ON zwar als defensives Infrastruktur-Investment mit staatlich garantierten Einnahmen ansehen, nicht aber als lukrativen Platzhirschen mit hohen Gewinnmargen.
  4. Anbieter von Erneuerbaren Energien gibt es inzwischen wie Sand am Meer. Neben den etablierten Strom-Produzenten wie RWE drängen inzwischen sogar die europäischen Öl-Konzerne Shell, BP und Total in diesen Markt. Diese haben aber das gleiche Problem wie die etablierten Autohersteller: Was sie mehr an Erneuerbarer Energie verkaufen, verkaufen sie weniger an Fossiler Energie. Und auch hier ist davon auszugehen, dass die Margen aufgrund der höheren Konkurrenz im Bereich Erneuerbarer Energie in Zukunft eher zurückgehen werden.
    Darüber hinaus gibt es inzwischen eine Vielzahl von reinen Stromproduzenten aus Erneuerbaren Energien wie Encavis und NextEra Energy. Den meisten ist aber gemeinsam, dass sie das exakt gleiche Produkt produzieren, nämlich Strom aus Wind und Sonne. Zudem tun sie das mit den gleichen Windrädern und Solarpanels, haben also alle die gleichen Investitionskosten und erreichen den gleichen Wirkungsgrad. Daher sehe ich hier keinerlei Burggraben, so dass ich von Investments in diese Anbieter nicht viel halte.
    Brookfield Renewable Partners heben sich hiervon insofern ab, dass sie 64% des Stroms aus Wasserkraft herstellen. Dies könnte aufgrund der begrenzten Möglichkeiten für Staudämme evtl. einen gewissen Burggraben bedeuten (solange der Strom aus Wasserkraft günstiger zu produzieren ist, was ich nicht analysiert habe).
    PNE und Energiekontor heben sich dadurch ab, dass sie Wind- und Solarparks nicht kaufen, sondern selbst planen und bauen. Dadurch sitzen sie auf einem begrenzten Angebot von fertigen oder in Bau befindlichen Energieparks, die von den oben genannten Betreiber-Unternehmen immer stärker nachgefragt werden. Und bei den Begriffen „begrenztes Angebot“ und „stärkere Nachfrage“ dürfen die Investorenohren klingeln, denn das bedeutet steigende Preise und damit steigenden Gewinne für diese Unternehmen. Aus diesem Grund halte ich diese beiden Unternehmen für die aktuell attraktivsten Investments im Bereich Erneuerbare Energien.
  5. Man könnte nun noch weiter gehen und z.B. noch die Hersteller von Wind- und Solaranlagen sowie die Rohstoff-Lieferanten (Lithium für die Batterien, Aluminium für die Windräder etc.) hinzuziehen. Vielleicht erweitere ich diesen Artikel dazu nochmal…

Fazit

Die von mir bevorzugten Profiteure der E-Mobilität lauten Aumann, Varta, Samsung SDI, PNE und Energiekontor. Diese sind auch in meinen wikifolios enthalten.



3 Gedanken zu „Profiteure der E-Mobilität

  • Oktober 23, 2020 um 8:10 am
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    Vielen Dank für diesen interessanten Beitrag zur E-Mobilität. Ich habe mich mit diesem Thema auch auseinandergesetzt. Mir ist dabei außerdem Alfen, ein Anbieter von Ladestationen, SmartGrits und Energiespeichern, aus den Niederlanden aufgefallen, der vom Ausbau der E-Mobilität profitieren dürfte.

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    • November 30, 2020 um 1:08 pm
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      Vielen Dank für den Hinweis! Ich habe Alfen nun als Abieter von Ladesäulen in den Artikel aufgenommen.

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  • Dezember 12, 2020 um 1:57 pm
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    Danke für die freundliche Rückmeldung. Alfen ist zwar mittlerweile relativ hoch bewertet, dürfte aber durch die Wachstums Chancen in der Energiewende noch einiges Potential haben. Das Unternehmen scheint (soweit ich das beurteilen kann) gut organisiert zu sein und kann international noch weiter expandieren. Interessant finde ich die Aufstellung in verschiedenen Bereichen (Ladestationen, Energiespeicher, Intelligente Stromnetze, Automatisierung, Wartung & Dienstleistungen), die alle von der Energiewende profitieren dürften. Die ,,Disruption“ sehe ich in vielen kleinen Lösungen und Erfahrungswerten auf diesen Feldern. Ich kann als Kleinanleger nur wenige Werte verfolgen und muss eine Auswahl treffen. Mit Alfen bin ich dieses Jahr sehr erfolgreich gewesen. Das Unternehmen ist interessanterweise immer noch relativ unbekannt.
    Ich wünsche einen schönen dritten Advent und bleiben Sie gesund!
    Sebastian

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