2 Gedanken zu „Nutanix

  • August 31, 2020 um 12:41 pm
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    Das zentrale Thema bei Nutanix ist seit Längerem die Umstellung von Hardware auf Software (inzwischen vollständig abgeschlossen) und von Software auf Software Subskriptionen (inzwischen 87% Umsatzanteil). Insbesondere der Umstieg auf Subskriptionen hatte den vorher bekannten Effekt, dass Umsätze in die Zukunft verschoben werden und sich das Umsatzwachstum daher temporär verlangsamen würde. Ich gehe davon aus, dass dies der Hauptgrund für die zwischenzeitlich längere Kursschwäche von Nutanix war.

    Die Q4-Zahlen zeigen aber weiterhin, dass sich das Geschäft von Nutanix nicht mehr als üblich verlangsamt hat. Das Umsatzwachstum ist lediglich im Rahmen des Umstellungszeitraumes keine geeignete Kennzahl, um das zu erkennen. So lag das jährliche Kundenwachstum in den letzten 2 Jahren lange bei 30%, zuletzt noch bei 22%.
    Nutanix berichtet inzwischen die Summe der auf 1 Jahr bezogenen Vertragswerte (Annual Contract Value). Das ist sehr hilfreich, weil es die Laufzeiten der Verträge auf 1 Jahr normiert und damit den gewohnten jährlichen Umsätzen am nächsten kommt. Der ACV aus bestehenden Verträgen (run-rate ACV) lag im Q4 bei 1220 Mio $ und damit 29% höher als im Vorjahr. D.h. Nutanix verfügt aktuell über Verträge, die einen jährlichen Umsatz von 1220 Mio € einbringen bei einer ACV retention rate von 25%.

    Konservativ rechne ich für 2021 mit einem ACV-Wachstum von 19%.

    Unschön ist im abgelaufenen GJ die stark negative FCF Marge von -20%. Diese war aber fast zur Hälfte durch das Corona-Quartal Q3 bedingt und sollte daher nicht extrapoliert werden. Im Q4 lag sie nur noch bei -4,2% und hat sich damit im Jahresvergleich von -11,6% deutlich verbessert. Wenn man für 2021 mit den -4% aus Q4 rechnet, ergibt sich ein Efficiency Score von 15% (19% – 4%). Das ist nicht berauschend. Für Nutanix steht 2021 daher die Verbesserung der Profitabilität im Vordergrund. Erklärtes Ziel ist eine positive FCF Marge – das wäre sehr erfreulich und würde den Efficiency Score wieder auf über 20% bringen. Die Annahme besteht darin, dass im Rahmen des nun deutlich erhöhten Anteils des Subskriptionsgeschäfts auch ein entsprechend höherer Anteil der neuen Umsätze auf Renewals, also Verlängerungen der Subskriptionen, entfallen wird. Diese können mit deutlich geringeren Sales-Aufwänden erreicht werden als die bisher dominierenden Follow-up- und Up-Sales.

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  • September 2, 2020 um 1:03 pm
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    In Sachen Nutanix gibt es 2 weitere wichtige News:

    1. Gründer und CEO Dheeraj Pandey plant seinen Abgang. Das müsste eigentlich Entsetzen hervorrufen, denn was kann es besseres für ein junges Unternehmen geben, als den Gründer und Visionär, der das Unternehmen groß gemacht hat, auch als CEO zu haben? In Kombination mit den weiteren Punkten wird jedoch ein Schuh daraus, der mittelfristig durchaus positiv zu sehen ist.

    2. Nutanix hat seit 1. August die im letzten Kommentar erwähnte Kennzahl „Annual Contract Value“ zur Haupt-Inzentivierung für die Sales-Mannschaft erkoren. Das hat wichtige Konsequenzen: Während früher der Total Contract Value, also vor allem lange Laufzeiten, honoriert wurden, zählt jetzt vor allem der jährliche Umsatz. D.h. es gibt jetzt keinen Anreiz mehr, den Kunden langlaufende Verträge, ggf. unter Gewährung von Rabatten, aufzudrängen. Was zählt ist, was sofort reinkommt, also möglichst hohe Jahresgebühren ohne Rabatte. Diese sollen dann unter geringeren Sales-Aufwänden mehr oder weniger automatisch verlängert werden. Da die Verhandelei über Laufzeiten und Rabatte weitestgehend wegfällt, halte ich das für ein durchaus erfolgversprechendes Szenario. Der Sales-Prozess wird vereinfacht, die Kunden gewinnen durch kürzere Vertragsbindungen, Nutanix gewinnt durch höhere Preise und steigert somit die Profitabilität. Und da die Kunden ohnehin einen hohen Wechselaufwand hätten, ist mit mehr Abwanderung nach Vertragsende nicht zu rechnen, solange die Kunden einigermaßen zufrieden sind. Und das werden sie beim Marktführer sicherlich sein!

    3. Der Private Equity Investor Bain Capital zeichnet eine Wandelanleihe iHv 750 Mio $. Diese wird wohl dazu dienen, den geringeren Cash Flow, der im Übergangszeitraum zu den kurzfristigeren und damit zunächst geringervolumigen Verträgen reinkommt, zu überbrücken. Nutanix ist noch nicht profitabel, hatte 2019 und vor allem 2020 einen deutlich negativen FCF und hätte sich diesen temporär geringeren Cash Flow daher kaum leisten können.

    4. Zurück zu Punkt 1 ergibt sich folgendes Gesamtbild:
    – Gründer und CEO Pandey hat sein Unternehmen zu dem gemacht, was es jetzt ist. Es scheint, dass der Wandel zum führenden Anbieter eines Betriebssystems für die Multi-Cloud technologisch größtenteils abgeschlossen ist und somit ein guter Zeitpunkt erreicht ist, dieses Kapitel abzuschließen und in andere Hände zu übergeben. Als nächstes steht jetzt die Steigerung der Profitabilität auf Basis der erreichten Technologie im Vordergrund. Das ist Musik in den Ohren von Investoren, und somit war es leicht möglich, die dafür benötigte Wandelanleihe zu platzieren. Ich denke am Ende werden alle zufrieden sein und Pandey kann sich neuen Aufgaben widmen.

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