MongoDB

Was macht MongoDB?

MongoDB wurde 2007 von den Gründern des Internet-Werbeanzeigen-Anbieters DoubleClick (heute im Besitz von Google) gegründet und ging 2017 an die Börse. MongoDB war die Lösung für die Skalierungsprobleme, die DoubleClick mit klassischen Datenbanken hatte.

MongoDB bietet eine moderne, dokumentenbasierte Datenbank. Was daran modern ist, wird vor allem in Abgrenzung zu klassischen, relationalen (SQL-)Datenbanken deutlich: Während relationale Datenbanken eine akademische Klarheit und Schönheit aufweisen (Hauptziel besteht darin, alle Daten fein säuberlich strukturiert und vor allem nicht redundant zu speichern), geht es bei dokumentenbasierten Datenbanken etwas gröber zur Sache: Das Hauptziel besteht hier vor allem darin, die Performance zu maximieren, d.h. mit großen Datenmengen (Big Data lässt grüßen) in Echtzeit umgehen zu können. Dafür wird auf (zu) viel Struktur verzichtet und auch Redundanz akzeptiert. Der Vorteil besteht dann darin, dass die Rechenleistung besser parallelisiert werden kann, anstatt wie bei SQL-Datenbanken 1 zentrale Datenbank zu führen, die sich alle Anwendungen teilen müssen und dadurch einen Bottleneck darstellt.

Ein Dokument einer MongoDB kann man dabei analog zu einer Zeile in einer SQL-Tabelle sehen. Wichtigster Unterschied ist dabei, dass ein Dokument sich nicht an eine feste Struktur (vorgegebene Tabellenspalten) halten muss.

Das Management

CEO ist seit 2017 Dev Ittycheria, der mit grandiosen 97% Zustimmung seiner Mitarbeiter auf Glassdoor glänzt.

Das Geschäftsmodell

MongoDB bietet seine Produkte sowohl on-premise, d.h. im Rechenzentrum des Kunden, als auch in der Cloud an (ATLAS). Das on-premise-Geschäft ist jedoch ins Stocken geraten, zuletzt gab es in diesem Bereich kein Wachstum mehr. Dafür wächst ATLAS umso stürmischer, im Q2 2021 mit 83% YoY. Seit Q1 2021 macht das Cloud-Geschäft mehr als die Hälfte des Umsatzes aus, Tendenz stark steigend.

Egal ob on-premise oder Cloud, das Geschäft ist nicht zyklisch, da die Datenbank ein essentieller Bestandteil jeder IT-Infrastruktur ist. Die Wachstumsgeschwindigkeit kann aber natürlich schwanken, das sollte man nicht unter den Tisch kehren.

Die Kunden

MongoDB hatte Ende Q2 2021 29.000 Kunden. Angesichts dieser hohen Zahl gehe ich davon aus, dass es keine Großkunden mit Klumpenrisiko gibt. MongoDB ist allerdings zunehmend von den großen Cloud-Providern Amazon WS, MS Azure und Google Cloud als Partner abhängig.

Die Konkurrenten

Als Hauptkonkurrenten werden oft die etablierten Anbieter relationaler Datenbanken wie Oracle, SAP, Microsoft und IBM angeführt. Jedoch bestehen deren Flaggschiff-Produkte eben nicht in Dokumenten-basierten Datenbanken, insofern würde ich diese Anbieter zwar der gleichen Branche zuordnen, aber nicht als Konkurrenten bezeichnen.

Schärfste Konkurrenten in der Beliebtheit unter Software-Entwicklern sind aktuell Redis, Firebase, Elasticsearch und Amazon DynamoDB. Letztere ist nicht zu verwechseln mit der Amazon DocumentDB, die Anfang 2019 als Konkurrenz zu MongoDB eingeführt wurde. Sie baut auf der gleichen Open-Source-Technologie wie MongoDB auf, konnte bisher aber keinen nennenswerten Marktanteil erobern.

Interessant ist, dass MongoDB es inzwischen auf Platz 4 der beliebtesten Datenbank-Anbieter geschafft hat. Die Plätze 1-3 belegen ausschließlich SQL-Datenbanken, d.h. MongoDB ist mit 28% Zustimmung die Nr. 1 in Sachen NoSQL (vor Redis mit 21%). Erwähnenswert ist zudem, dass MongoDB 2021 Microsoft SQL überholt hat.

Die Zahlen

EV / Sales 12Me: 26 Jahre
Umsatzwachstum 2021e: 44%
Bruttomarge: 70%
Quasi-KGV: 74 Jahre
Quasi-PEG: 1,7
Free Cash Flow Marge 2020: -10%
Efficiency Score 2021e: 40%
Current Assets / Current Liabs: >2
Eigenkapitalquote: 30%

Quelle: MongoDB Press Room und eigene Berechnungen

Die Bewertung

MongoDB wirtschaftet noch defizitär und sollte daher als Startup (nicht profitables Wachstumsunternehmen) bewertet werden.

Die 5 Komponenten des LionFolio® Enterprise Score habe ich so bewertet:

Unter Berücksichtigung aller Bewertungskriterien liegt MongoDB’s LionFolio® Enterprise Score bei 3,3 von 5 Sternen. Ein guter, aber nicht herausragender Score. Der Preis ist sehr hoch, aber durch das hervorragende Management und das sehr stabile Geschäftsmodell einigermaßen begründet. Man muss sich aber bewusst sein, dass der Aktienkurs vor allem nach der letzten Wachstumsbeschleunigung nochmal stark zugelegt hat, das kann auch mal in die andere Richtung gehen…

MongoDB hatte ich als kleine Startposition in das wikifolio Wachstumsstarke Disruptoren aufgenommen. Durch den starken Kursanstieg ist die Position inzwischen auf 1,7% gewachsen. Da der Anstieg durch die Wachstumsbeschleunigung begründet war, plane ich aktuell aber keine Gewinnmitnahme.

5 Kommentare zu „MongoDB“

  1. Neben The Trade Desk wird aktuell auch MongoDB bepreist, als ob es resistent gegen das Virus sei. Dabei würde ich eher erwarten, dass sie – wie Alteryx – von der Investitionsbereitschaft der Unternehmen in neue IT-Infrastruktur abhängig sind. Und die dürfte zumindest in diesem Jahr einen starken Dämpfer erhalten. Somit laufen Bewertung und Realität m.E. gerade stark auseinander.

    Im Gegensatz zu The Trade Desk und Alteryx kommt erschwerend hinzu, dass MongoDB schon vor der Krise einen negativen Free Cash Flow aufgewiesen hat. Daher warte ich erstmal die nächsten Zahlen ab, denn aktuell ist MongoDB priced for perfection – und ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass diese Perfektion geliefert werden wird.

  2. MongoDB wird heute gerupft, nachdem sie ihre Guidance wie von mir erwartet gesenkt haben. Der Kurs war vorher ohnehin unverständlich in die Höhe geschnellt, was schon durch die bisherige Guidance m.E. nicht gerechtfertigt war.

    Während im Q1 noch starke 46% Wachstum gemeldet wurden, beträgt die Guidance für das Gesamtjahr jetzt nur noch 24%. Damit wäre MongoDB deutlich überbewertet. Es ist aber natürlich davon auszugehen, dass das Wachstum irgendwann wieder anziehen wird. Schwer zu sagen ist nur, wann und wie stark. Ich sehe MongoDB, was Covid19 betrifft, weiterhin vergleichbar mit Alteryx: temporärer Rückgang des Wachstums, aber keine Schrumpfung. Ich werde daher wohl bald wieder einen Einstieg wagen, wahrscheinlich zu einem deutlich höheren Kurs, als ich ausgestiegen bin. Aber in der Zwischenzeit konnte ich mit dem Geld auch bei anderen Unternehmen Gewinne erzielen.

  3. Wie im letzten Kommentar angekündigt, bin ich in der Zwischenzeit (am 1. April 2021) zu einem deutlich höheren Kurs (knapp 250€) wieder eingestiegen. Und spätestens die Q2-Zahlen haben diesen Einstieg belohnt, denn es gab das, was Wachstumsinvestoren am meisten lieben: eine Beschleunigung des Wachstums. Und zwar von 40% im Q1 auf jetzt 44%. Auffällig ist dabei die völlig unterschiedliche Entwicklung der on-premise-Umsätze auf der einen und der Cloud-Umsätze auf der anderen Seite: während erstere gar nicht mehr gewachsen sind, haben letztere mit +83% eine atemberaubende Entwicklung hingelegt und machen jetzt 56% der Gesamtumsätze aus. Das bedeutet: WENN das Cloud-Wachstum z.B. konstant bei 83% bleiben sollte, würde sich das Gesamtwachstum allein schon aufgrund des gestiegenen Umsatzanteils weiter beschleunigen. Die guidance ist natürlich konservativer, aber mit dem üblichen Übertreffen wäre das durchaus ein realistisches Szenario für das Q3.
    Negativ aufgefallen ist mir die mit -12% wieder deutlich schlechtere FCF-Marge, diese hatte ich mir nach dem Q1 (5%) dauerhaft positiv erhofft.
    Aufgrund der Wachstumsbeschleunigung halte ich trotz des stark gestiegenen Aktienkurses an meiner jetzigen Position fest.

  4. Hallo Gerrit, danke für die Erläuterungen zu MongoDB. Leider bin ich hier bereits schon wieder ausgestiegen, als der Kurs weiter nach oben marschierte. Aber da kann man nichts machen. Ggfs. konsolidiert die Aktie ja mal und ich kann wieder neu einsteigen.

    Was mich richtig überrascht hat, war das Du gerade gestern ganz stark bei Coinbase zu 227 Euro eingestiegen bist ! Kannst Du das mal in den nächsten Tagen etwas genauer erläutern ? Was ist Dein Investmentcase dahinter ? Gestern wurde Coinbase durch den verunglückten Start des Bitcoin in Venezuela als direkte Währung ordentlich „durchgeschüttelt“.

    Danke Dir und Grüße André

  5. Im Q3 ist das am 8. September beschriebene „realistische Szenario für das Q3“ ziemlich genau eingetreten: Die Wachstumsrate der Cloud-Umsätze ist mit 84% praktisch konstant geblieben und hat damit das Wachstum der Gesamt-Umsätze auf 50% beschleunigt. Damit haben die Cloud-Umsätze nun einen Anteil von 56%, und deren Wachstumsrate wird das Gesamtwachstum mehr und mehr dominieren.
    Was allerdings überhaupt nicht heißt, dass sich das bei über 80% einpendeln muss. Denn in den nächsten Quartalen konkurriert das Cloud-Wachstum mit immer höheren Wachstumsraten aus dem Vorjahr, so dass das prozentuale Wachstum YoY durchaus sinken kann.
    Bemerkenswert bleibt jedenfalls, dass MongoDB (wie auch die Cloud-Security Anbieter Crowdstrike, Zscaler und Okta) sein prozentuales Wachstum so gut aufrechterhalten konnte, was DocuSign bekanntlich leider nicht gelungen ist. Die Anbieter von Cloud-Basisfunktionalität scheinen stabiler zu wachsen als bestimmte „Corona-Features“.

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